Ende 2028 will Bosch das Werk Waiblingen mit 560 Beschäftigten schließen. Das verkündete die Unternehmensleitung Anfang Oktober. Dagegen protestierten am Montag rund 2000 aktuelle Beschäftigte und ehemalige Beschäftigte bei einer Demo vor dem Werk. 600 der Demonstranten waren Beschäftigte anderer Bosch-Standorte, die ihre Kolleginnen und Kollegen in Waiblingen solidarisch unterstützten.
Auch an anderen Standorten plant Bosch massive Einschnitte. Erneut 13 000 Stellen will die Geschäftsleitung von Bosch insgesamt bis 2030 an den deutschen Mobility-Standorten abbauen, obwohl in den letzten Jahren bereits 9000 Arbeitsplätze gestrichen worden waren. Insgesamt summiert sich der in den nächsten Jahren geplante Abbau auf 22 000 Arbeitsplätze. Damit will die Geschäftsführung eine drohende jährliche Kostenlücke von 2,5 Milliarden Euro schließen.
Konzepte für die Zukunft? Fehlanzeige. Dabei hatte Bosch mit Betriebsrat und IG Metall Regelungen zur gemeinsamen Gestaltung der Transformation abgeschlossen, unter Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2027 – gegen Zugeständnisse der Beschäftigten.
Bundesweit wehren sich die Beschäftigten bei Bosch nun mit Demonstrationen.
„Statt wie vereinbart an den Standorten über Zukunftsbilder zu verhandeln, sollen nun erneut Tausende Menschen das Unternehmen verlassen“, kritisiert der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Bosch-Geschäftssektors Mobility, Frank Sell. „Es steht außer Frage, dass die Situation in der deutschen und europäischen Automobil- und Zulieferindustrie sehr angespannt ist. Einen Personalabbau dieser historischen Größenordnung - ohne gleichzeitige Zusagen zur Sicherung unserer Standorte in Deutschland - lehnen wir jedoch entschieden ab!“
Knallharte Verlagerungen in „Best Cost Countries“
Als Robert Bosch vor über hundert Jahren sein Unternehmen gegründet hat, sollte es nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein, sondern auch soziale Verantwortung übernehmen und dem Gemeinwohl dienen. „Ich zahle lieber mehr Lohn als mehr Dividende“, sagte Bosch damals. Doch heute scheinen dem Bosch-Management 3,17 Milliarden Euro Ebit-Rendite im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024 nicht mehr zu genügen.
„Hinter den ‚Transformationsplänen‘ des Unternehmens verstecken sich oftmals auch knallharte Verlagerungspläne, um in „Best Cost Countries“ kostengünstiger zu entwickeln und zu produzieren“, kritisiert Adrian Hermes, Konzernbeauftragter der IG Metall und Aufsichtsratsmitglied bei Bosch.
Die IG Metall fordert nun Verhandlungen, bei denen alle Kostenpositionen und Optionen auf den Tisch kommen – und Zusagen für deutsche Standorte insbesondere bei Zukunftstechnologien unter Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.
„Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie Bosch sich aus der Verantwortung stiehlt und den Standort im Stich lässt“, betont Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg. „Jetzt heißt es zusammenstehen – wir werden gemeinsam mit den Beschäftigten den Widerstand organisieren und für den Erhalt der Arbeitsplätze und eine starke Zukunft in der Region kämpfen.“
Wir kämpfen um unsere Industrie
IG Metall Ludwigsburg Waiblingen